Expressiv leuchtender Süden
Franz Heckendorf (Berlin 1888 – München 1962). Mittelmeerlandschaft. Charmanter kleiner Ort an buchtenreicher Küste zu Füßen eines Bergmassivs. Vorn rechts
dominierende Dschami (Kullijet)
mit spitzem , sehr schlankem Turm
wie für die türkischen Minarets typisch, über- und hineinragend in die Berge, sowie umlaufende Scherife für die Muezzins, wie überhaupt die ein turmartiges weiteres Gebäude umfassende,
über den Ort aufsteigende Gesamtanlage der Moschee
bildhaft schön erfaßt
ist. Des weiteren Boote + gesichtslose Figurinen, darunter Maultierreiter. Aquarell über Bleistift. Bezeichnet mit letzterem unten rechts: Franz Heckendorf (19)39. 39,7 x 48,7 cm.
Literatur
Kestner-Museum Hannover, Kataloge der Sonderausstellungen XVII, 1918; Joachim Kirchner, Franz Heckendorf, 1919 + 1924; Franz Heckendorf, Katalog der Sonderausstellung der Galerie Hagemeier, Ffm., 1985; Symphonie in Farbe, Ausstellungskatalog der Kunstfreunde Bergstraße, 1991; Thieme-Becker XVI (1923), 211 f.; Vollmer II (1955), 400; Cicerone, Jge. 1912-1928, hier insbesondere XVI (1924), 802 f. (nicht eingesehen); Feuer II, 1 (1920/21), 195-202.

Herrlich farbfrische Arbeit
mit den sprichwörtlich „kräftigen, leuchtenden Lokalfarben“ aus der für Heckendorf so bestimmenden Gruppe der gebirgigen südlichen Landschaft, fußend auf den „Studienaufenthalte(n) in … Italien, Dalmatien u. Kleinasien … Das Reifste, was Heckendorf bisher (1923) geschaffen hat, sind seine Landschaften … besonders aber die Landschaften, die er während des (1.) Weltkrieges als Kampfflieger an der Ostfront,
auf dem Balkan , am Bosporus und am Tigris
zu malen Gelegenheit hatte“ (Vollmer in Thieme-Becker bzw. in Vollmer).
Die Figuration, wie vielfach bei ihm, mittels konturenloser (Nicht)Gesichter bewußtsichtbar nachgeordnet. Denn
„ ‚alles optisch Wahrnehmbare zu vergeistigen und in die Sphäre des visionär Geschauten zu übersetzen’; das bedeutete die
Erfüllung des Programms des modernen Expressionismus ,
zu dessen überzeugendsten Verkündern H. zählt … “
(Vollmer 1923).
Peter Bürger wird Generationen später bezüglich Kirchner’scher Straßengestalten
von „maskenhaft vereinfachten Gesichtszügen“
als Ausdruck „allgemeiner Beziehungslosigkeit“
sprechen („Flaneure überdehnen die Stadt … Kirchner und der Manierismus“, FAZ 23. Juli 2001). Aber auch schon Hogarth bediente sich beispielsweise in „Times I“ (1762) in persona Lord Temple’s dieses Stilmittels letztlich biblischen Herkommens, nämlich sich kein Bildnis zu machen, wie denn auch die Kinder strenggläubiger Mennoniten mit gesichtslosen Puppen spielen.
„ Schüler der Unterrichtsklasse des Berliner Kunstgewerbemuseums und der Akad., im wesentlichen aber Autodidakt (gleich den Altersgenossen Heckel + E. L. Kirchner und wie diese ausgehend vom Impressionismus). Einer der begabtesten Vertreter der jungen deutschen Künstlergeneration … In allen Techniken gerecht und ein ungemein leicht produzierendes Talent … pflegt H. neben d. Ölmalerei das Pastell, Aquarell und die Lithographie … “
(Vollmer). Bei charakteristischem aus sich heraus leuchten. Wie denn auch hier.
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